Lob Shot spielen: Wann und wie du ihn einsetzt
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Der Lob Shot ist der einzige Schlag im Golf, bei dem du den Schläger schneller bewegst, damit der Ball kürzer fliegt. Wer das nicht verstanden hat, bremst instinktiv vor dem Ball ab und schiebt ihn entweder über das Grün oder gar nicht erst hoch. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob der Schlag im Werkzeugkasten bleibt oder auf der Runde zum Risiko wird.
Was beim Lob Shot physikalisch passiert
Beim normalen Pitch trifft die Schlagfläche den Ball und komprimiert ihn gegen den Boden. Beim Lob Shot machst du etwas anderes: Du öffnest die Schlagfläche so weit, dass der Loft des Wedges effektiv zunimmt und die Sohle des Schlägers zuerst mit dem Rasen in Kontakt kommt. Der Schläger gleitet unter dem Ball hindurch, statt in den Boden zu graben. Der Ball wird dabei nicht geschlagen, sondern von der stark geneigten Fläche nach oben abgeschält.
Daraus folgen drei Konsequenzen, die du kennen musst, bevor du den Schlag auf der Runde probierst. Erstens verliert der Schläger einen großen Teil seiner Energie an die Flughöhe. Deshalb braucht ein Lob über zehn Meter fast denselben Schwung wie ein Pitch über dreißig. Zweitens ist die Kontaktfläche zwischen Schlagfläche und Ball bei offenem Blatt kleiner als bei geradem, der Ball rutscht also leichter zur Ferse oder Spitze ab. Drittens verzeiht der Schlag Fehler in der Eintrittstiefe kaum: Ein Zentimeter zu tief und der Schläger bleibt im Gras hängen, ein Zentimeter zu flach und die Vorderkante trifft den Ball mittig, was ihn flach über das Grün jagt.

Deshalb gilt eine nüchterne Vorentscheidung: Der Lob Shot ist ein Spezialwerkzeug für Situationen, in denen nichts anderes geht. Er ist nicht der Schlag, mit dem du auf jedem Grün dein Kurzspiel aufwertest.
Wie genau du die Distanz kennen musst
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Setup: Blatt zuerst, Griff danach
Die Reihenfolge im Setup ist beim Lob Shot wichtiger als beim vollen Schwung, weil ein einziger Schritt in falscher Reihenfolge den ganzen Schlag entwertet. Du öffnest das Schlägerblatt, bevor du den Griff nimmst. Wer erst greift und dann die Hände dreht, stellt die Fläche beim Durchschwung automatisch wieder gerade, denn die Hände kehren in ihre neutrale Position zurück. Das Blatt ist dann im Treffmoment zu wie bei einem normalen Pitch, nur dass der Schlägerkopf jetzt in einer völlig anderen Bahn ankommt.
Die Fußlinie öffnest du in etwa im selben Maß wie das Blatt, also um zehn bis fünfzehn Grad nach links für Rechtshänder. Dadurch zielt die geöffnete Fläche wieder auf die Flagge, während dein Körper auf einer leicht kreuzenden Bahn schwingt. Der Ball liegt mittig bis eine halbe Ballbreite vor der Mitte im Stand, das Gewicht verteilt sich ungefähr gleichmäßig, mit einer leichten Tendenz nach vorn. Ein stark nach vorn geneigter Schaft ist hier falsch: Er nimmt genau den Loft weg, den du gerade aufgebaut hast.
Die Griffhaltung wird lockerer als sonst. Auf einer Skala von eins bis zehn fasst du den Schläger mit etwa vier. Fester Griff bedeutet aktive Handgelenke, und aktive Handgelenke schließen die Fläche. Der Schlag lebt davon, dass Kopf und Sohle des Wedges ihre Arbeit machen dürfen, ohne dass du sie steuerst.

Der Bewegungsablauf: lang zurück, voll durch
Der Rückschwung ist deutlich länger als bei einem Pitch gleicher Distanz, oft bis in die Nähe eines dreiviertel vollen Schwungs. Die Handgelenke setzen früh, sodass der Schläger steil genug ansteigt. Entscheidend ist der Übergang: Du beschleunigst durch den Ball und schwingst vollständig durch, bis der Schaft am Ende in Richtung Ziel zeigt und die Schlagfläche nach oben weist. Wenn du am Ende nachschauen kannst, ob die Fläche noch offen steht, weißt du sofort, ob der Schlag technisch korrekt war.
Der häufigste Fehler ist das Abbremsen. Es entsteht aus einem vernünftigen Impuls, weil die Distanz kurz ist, aber es zerstört den Schlag zuverlässig. Bremst du ab, senkt sich der Schlägerkopf, die Vorderkante kommt zuerst an den Ball, und das Ergebnis ist der berüchtigte Schlag, der flach über das Grün und in den Bunker dahinter fliegt. Die Distanz steuerst du beim Lob deshalb nicht über die Geschwindigkeit, sondern über die Länge des Rückschwungs und über den Grad der Blattöffnung.
Der zweite typische Fehler ist der Versuch, den Ball aktiv zu heben. Die Hände gehen dabei im Treffmoment nach oben, die Sohle des Wedges hebt vom Boden ab, und du triffst den Ball auf halber Höhe. Die Flugbahn macht der Loft, nicht dein Handgelenk. Das lässt sich einfach gegenprüfen: Wenn du nach dem Schlag keine flache, längliche Rasenmarke vor der Ballposition findest, hast du den Ball gehoben statt geschält.
Wann der Lob Shot die richtige Wahl ist
| Situation | Bessere Wahl | Begründung |
|---|---|---|
| Hindernis davor, Flagge direkt dahinter | Lob Shot | Einzige Variante mit genug Höhe und wenig Rollweg |
| Freier Weg, viel Grün zur Flagge | Pitch oder Bump and Run | Deutlich größere Fehlertoleranz bei gleichem Ergebnis |
| Ball sitzt auf kahlem, hartem Boden | Pitch mit 52 oder 54 Grad | Sohle findet keinen Widerstand, Vorderkante trifft mittig |
| Ball liegt aufgebockt im leichten Rough | Lob Shot | Gras unter dem Ball erlaubt sauberes Gleiten |
| Starker Gegenwind, kurze Distanz | Pitch flach gespielt | Hohe Flugbahn wird unkontrollierbar verkürzt |
| Grün fällt von dir weg, Flagge hinten | Pitch mit Rollanteil | Der Lob landet steil und bleibt vor dem Gefälle liegen |
Die Entscheidung folgt einer einfachen Regel: Der Lob Shot kommt ins Spiel, wenn zwei Bedingungen gleichzeitig zutreffen, ein Hindernis zwischen Ball und Grün und zu wenig Fläche zum Ausrollen. Fehlt eine der beiden, wählst du den Schlag mit der größeren Fehlertoleranz. Auf der Runde ist ein Ball auf sechs Metern neben der Flagge immer besser als ein perfekter Versuch, der im Bunker dahinter endet.

Übungen, mit denen du den Schlag sicher bekommst
Das Handtuch als Hindernis. Leg ein zusammengerolltes Handtuch etwa einen halben Meter vor den Ball. Du musst darüber spielen, ohne es zu berühren. Die Übung erzwingt einen steilen Aufstieg des Balls und zeigt dir sofort, ob du die Fläche wirklich offen hältst oder heimlich mit den Händen hebst.
Der Landepunkt-Kreis. Markiere mit Tees einen Kreis von etwa zwei Metern Durchmesser auf dem Übungsgrün. Du spielst zehn Lobs aus derselben Position und zählst, wie viele im Kreis aufkommen, nicht wie viele nah an der Flagge liegen bleiben. Beim Lob Shot ist der Landepunkt die einzige Größe, die du wirklich steuerst.
Die drei Öffnungsgrade. Spiele je fünf Bälle mit leicht, mittel und weit geöffnetem Blatt aus identischer Distanz, immer mit demselben Rückschwung. Notiere die drei Carry-Längen. Das ergibt dir eine persönliche Skala, mit der du auf der Runde ohne Schwungänderung die Distanz regelst.
Material: Loft, Bounce und Grind im Zusammenspiel
Ein Lob Wedge mit 58 oder 60 Grad ist der übliche Ausgangspunkt, aber der Loft allein sagt wenig. Wichtiger ist der Bounce, also der Winkel, mit dem die Sohle gegen den Boden abgestützt ist. Viel Bounce hilft auf weichem, üppigem Untergrund, weil er den Schläger am Eingraben hindert. Wenig Bounce funktioniert auf festen, kurz geschnittenen Vorgrüns, wo eine breite Sohle abprallen und den Ball mittig treffen würde.
Weil du das Blatt beim Lob Shot öffnest, veränderst du den effektiven Bounce mit. Ein Wedge mit hohem Bounce wird bei weit geöffnetem Blatt schnell zu abweisend für harte Lagen. Genau deshalb greifen viele Spieler bei einem Lob Wedge zu einer Sohle mit abgeschliffenen Kanten, die sich in geöffneter Position flacher an den Boden legt. Wenn du dir unsicher bist, welchen Bounce dein Wedge hat, findest du den Wert meist neben der Loftzahl auf der Sohle eingestanzt.
Bei der Distanzeinschätzung hilft dir Technik: Wer weiß, dass zur Flagge nicht dreizehn, sondern achtzehn Meter fehlen, wählt einen anderen Landepunkt und spart sich den Putt aus acht Metern. Gerade beim Lob Shot, wo die Toleranz klein ist, macht eine gemessene Zahl mehr Unterschied als jede weitere Übungsstunde.
Dein Einstieg in den nächsten vier Wochen
Beginne mit zwei Einheiten pro Woche auf dem Kurzspielgrün, je dreißig Minuten. In den ersten beiden Wochen spielst du ausschließlich aus guten Lagen im leichten Rough, mit Handtuch-Hindernis und Landepunkt-Kreis. Erst in Woche drei kommen schwierigere Lagen dazu, und erst in Woche vier probierst du den Schlag auf der Runde, und zwar nur dann, wenn deine Vorentscheidung eindeutig für ihn spricht. Führe eine simple Statistik: Wie oft hast du den Lob gespielt, wie oft lag der Ball danach innerhalb von drei Metern, wie oft hast du ihn ganz verfehlt. Liegt die Verfehlerquote nach vier Wochen über zwanzig Prozent, gehört der Schlag noch eine Saison lang ins Training und nicht in die Scorekarte.
Veröffentlicht durch die GolfFokus-Redaktion. Veröffentlicht am 31. August 2026. Aktualisiert am 4. Oktober 2026.
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