Putting-Drill: Gate-Drill für bessere Richtungskontrolle
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Drei von vier verfehlten Putts zwischen 1 und 3 Metern resultieren aus falscher Schlagflächen-Ausrichtung beim Treffmoment, nicht aus falschem Tempo. Trackman-Studien zeigen, dass eine Abweichung von nur 2° im Putter-Face über 2 Meter Distanz bereits 7 cm Versatz produziert — genug, um am Loch vorbeizurollen.
Der Gate-Drill mit zwei Tees ist der einfachste Weg, die Schlagfläche im Treffmoment quadratisch zu trainieren. Du brauchst kein Trackman, kein Putting-Greens-Equipment und keine fancy Putter — nur zwei Tees, deine vorhandene Putter-Setup und einen kurzen Putt von 1-2 Metern.
Was der Gate-Drill misst
Zwei Tees, knapp wenig breiter als der Ball auseinander, bilden ein Gate, durch das der Ball sauber passen muss. Trifft der Putter den Ball mit offener oder geschlossener Schlagfläche, schießt der Ball seitlich an eines der Tees. Erst wenn die Schlagfläche im Treffmoment in einem Winkel von max. 1° zur Ziel-Linie steht, geht der Ball zentriert durch.

Der Drill isoliert genau eine Variable: Face-Angle at Impact. Der Putter-Pfad (Path) wird teilweise mit getestet, aber Face-Angle hat laut PGA-Tour-Statistik einen 5-fach größeren Einfluss auf die Startrichtung des Balls als der Pfad. Ein 1° offenes Face mit perfektem Pfad startet den Ball stärker offen als ein 1° offener Pfad mit perfektem Face.
Anders gesagt: Wenn der Ball gegen das rechte Tee schlägt, wirfst du nicht den Pfad an, sondern öffnest du das Face. Wenn er links anschlägt, schließt du. Das macht den Drill so eindeutig, dass du innerhalb von zwei Wochen Daily Practice messbare Verbesserung im Bereich 1-3 Meter siehst.
Setup: Tee-Abstand und Ball-Position
Stecke zwei Tees so weit auseinander wie der Ball plus etwa 5-7 mm Spiel auf jeder Seite. Bei einem Standard-Golfball mit Durchmesser 42.67 mm bedeutet das Gate-Breite 52-55 mm. Schmalere Gates (50 mm) erhöhen die Schwierigkeit, breitere (60 mm+) verzeihen mehr Face-Fehler und reduzieren den Lerneffekt.

Die Tees stehen 30-40 cm vor dem Ball, also auf der Putt-Linie zwischen Ball und Loch. Wichtig: Genau parallel zur Ziel-Linie ausrichten. Wenn die Tees schief stehen, trainierst du eine schiefe Face-Position. Visualisiere die gerade Linie zwischen Ball und Loch und lege die Tees auf dieser Linie ab.
Der Ball selbst liegt 1.5 bis 2 Meter vor dem Loch. Diese Distanz ist statistisch der relevanteste Bereich — laut Golfweek-Auswertung der Tour-Spieler-Daten kommen 28% aller Putts aus dieser Distanz, und die Make-Rate-Spreizung zwischen HCP-Klassen ist hier am größten (Tour 88% / HCP 5: 65% / HCP 20: 38%).
Putter-Wahl: Was funktioniert für den Drill
Der Gate-Drill funktioniert mit jedem Putter, aber die Lernkurve unterscheidet sich. Face-Balanced-Putter wie Odyssey White Hot Versa Seven oder TaylorMade Spider Tour X (€269-419) zeigen Face-Variabilität direkter, weil der Sweet Spot weniger Toleranz für Off-Center-Hits bietet. Toe-Hang-Putter wie der Scotty Cameron Newport 2 (€569) sind etwas verzeihender, machen den Drill aber weniger aussagekräftig.
Schaft-Länge zählt: Standard 34 Zoll passt für Spieler zwischen 1.70 und 1.85 m. Längere Putter (35-36 Zoll) zwingen einen aufrechteren Stand, was den natürlichen Bogen-Pfad verändert und mehr Face-Rotation produziert. Wer mit 34-Zoll-Putter trainiert und auf 36 Zoll wechselt, muss den Gate-Drill neu kalibrieren.

Mallet-Putter mit klarer Alignment-Linie (Odyssey 2-Ball, PING Tyne H, TaylorMade Spider GT) helfen beim Setup, weil du den Putter-Kopf einfacher zur Ziel-Linie ausrichten kannst. Blade-Putter ohne Alignment-Hilfen wie der klassische Anser-Style verlangen mehr Eigenkalibrierung und sind für den Drill anspruchsvoller.
Ablauf: 4 Phasen im Daily Practice
- Aufwärmen (5 Putts): Ohne Tees, 1-2m Putt, Tempo und Rhythmus finden. Zielmarke: 3 von 5 Putts fallen.
- Gate-Drill 1.5m (10 Putts): Tees gesetzt, 1.5m Distanz, Loch als Ziel. Zähle, wie viele durch das Gate passieren UND ins Loch fallen.
- Gate-Drill 2.5m (10 Putts): Distanz erhöht, gleiches Gate-Setup. Hier zählt die Konstanz — Distanz-Kontrolle kommt zum Face-Angle dazu.
- Kontroll-Putts (5 Putts): Tees entfernt, 1-3m, beliebige Distanz. Prüfe, ob die Verbesserung ohne visuelles Gate hält.
Daily Practice von 20 Putts (ca. 8 Minuten) reicht laut PGA-Coach Phil Kenyon, um nach 14 Tagen messbare Veränderung zu zeigen. Wer nur ein- oder zweimal pro Woche übt, braucht 6-8 Wochen für vergleichbare Verbesserung — die Frequenz schlägt die Dauer.
Häufige Fehlbilder und ihre Korrektur
| Symptom | Ursache | Korrektur |
|---|---|---|
| Ball schlägt rechtes Tee | Face 1-3° offen bei Impact | Hände entspannter, Forward Press leicht reduzieren |
| Ball schlägt linkes Tee | Face 1-3° geschlossen, Hände aktiv | Schultern führen, Handgelenke ruhig halten |
| Ball kommt durch, fällt nicht | Tempo zu schwach oder zu stark | Distanz-Kontrolle separat üben, Rückschwung kürzer |
| Ball variabel beide Seiten | Putter-Setup unsauber | Augen direkt über dem Ball, Putter-Sohle plan |
Variationen für Fortgeschrittene
Wer den Standard-Drill aus 1.5m sicher beherrscht (8-9 von 10 durchs Gate), kann das Setup verschärfen. Eine Variante ist das schmalere Gate (48-50 mm), das nur noch 3-4 mm Toleranz auf jeder Seite lässt. Hier brauchst du Face-Variabilität unter 0.5° — Tour-Niveau.

Eine zweite Variante ist das doppelte Gate: ein Gate 30 cm vor dem Ball, ein zweites 30 cm vor dem Loch. So testest du nicht nur den initialen Face-Angle, sondern auch, ob der Ball auf der Linie bleibt. Auf Stimpmeter-9-Greens passt das gut, auf langsameren Greens (Stimp 7-8) ist es zu anspruchsvoll, weil die Linie schon nach 1 m vom Spurious-Spin abdriftet.
Tracking-Tools wie Arccos Putt oder Shot Scope V5 (€249-599) zeichnen Make-Rate aus 1.5m und 2.5m automatisch auf und zeigen, ob deine Trainingsarbeit echte Score-Verbesserung produziert. Realistisches Ziel: 10-15 Strokes weniger pro 18-Loch-Runde innerhalb von 6 Wochen, vorausgesetzt du putst aktuell mit HCP-typischem 36-38-Putt-Schnitt.
Auch SAM PuttLab-Sessions (€80-120 pro Sitzung in zertifizierten Pro-Shops) liefern detaillierte Daten zu Face-Angle, Pfad und Tempo. Wer den Drill drei Wochen alleine gemacht hat und dann eine Messung durchführt, sieht objektiv, ob die Trainingseinheiten greifen. PING und Mizuno bieten in vielen Pro-Shops kostenlose Fitting-Sessions, bei denen ähnliche Daten erhoben werden.
Praktisch heißt das
Der Gate-Drill ist der präziseste, simpelste Drill für Putt-Richtungskontrolle aus 1-3 Metern. Mit zwei Tees, einem Standard-Putter wie Odyssey White Hot, Scotty Cameron Newport oder TaylorMade Spider und 20 Putts täglich verschiebt du deine Face-Angle-Konstanz innerhalb von 2 Wochen messbar — von ±3° auf ±1°.
Wichtig ist die Disziplin im Setup: Tee-Abstand 52-55 mm, Distanz 1.5-2.5 m, Putter parallel zur Ziel-Linie, Augen über dem Ball. Wer den Drill mit Tracking-Tool wie Shot Scope V5 kombiniert, sieht die Score-Verbesserung schwarz auf weiß. Drei bis fünf Strokes pro Runde sind realistisch — und das in einem Bereich, der mehr Putts entscheidet als jeder andere.
Veröffentlicht durch die GolfFokus-Redaktion. Veröffentlicht am 25. Mai 2026.
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